InhaltKapitel III - Morphologie des Wolfs

III.1 Zusammenfassung

Hier folgt die morphologischen Betrachtung des Canis Lupus im Allgemeinen. Dabei werden äußere Merkmale wie Fellfarbe, Wuchs, Körpergröße und -länge angesprochen, aber auch der innere Aufbau an Skelett und Organen. Folgend seine Sinnesleistungen, die durch den Vergleich mit Mensch oder Hund anschaunlich gemacht sind.
Vorläufig befindet sich hier allerdings noch die aufgearbeitete Version eines 2005 erschienen Kapitels zur Morphologie ([1]).
Abbildungen und Ausführungen werden zu gegebener Zeit beigefügt und die Inhalte den gegenwärtigen Erkenntnissen falls nötig angepasst.

III.2 Erscheinungsbild

Der mit einer Schulterhöhe von rund 60 bis 90 cm größte Vertreter der lebenden Caniden erreichen von der Nasenspitze bis zum Schwanzansatz eine Länge von etwa 1 bis 1,5 Meter. Abhängig von Region und Beute variieren das Gewicht zwischen durchschnittlich 20 (C. l. arabs) und 60 kg (C. l. albus). Die Färbung reicht von weiß über fahlgelb, rötlich, braun-gelb bis schwarz. Das Fell der Wölfe setzt sich aus drei Arten von Haaren zusammen: dem Deckhaar, dem Grannenhaar und der Unterwolle (Daunenhaar). Der gemeine Grauwolf wechselt nur einmal im Jahr sein Fell, und das im späten Frühjahr. Das darauf folgende kurze Sommerfell wächst dann im Spätherbst wieder zum Winterpelz aus. Dieser erreicht eine Stärke von bis zu 6,6 cm. Einige Autoren legen nahe, dass Wölfe von August bis September einen möglichen zweiten Haarwechsel vollziehen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass der Prozess des Fellwechsels in verschiedenen geographischen Breiten unterschiedlich abläuft ([2]). Die langen Beine, der gestreckte Körper und der buschige, rund ein Drittel der Körperlänge messende Schwanz machen den Wolf zum idealen Läufer. Mit seinem langen, federnden Schritt kann er ohne Anzeichen von Ermüdung stundenlang eine Geschwindigkeit von rund 10 km/h halten. In Extremsituationen, wie Flucht oder Jagd, erreicht er sogar für wenige Minuten bis zu 60 km/h, wobei er durch seinen Schwanz selbst bei hoher Geschwindigkeit sehr wendig bleibt. Im Trab (in einigen Quellen auch als Troll bezeichnet) setzen Wölfe ihre vierzehige Hinterpfote in die Spur der fünfzehigen Vorderpfote und diese im tiefen Schnee oder auf schwergängigem Gelände oft in die Spur des Vorgängers. Sie sparen dadurch Energie und vermeiden unnötige Fehltritte. In der Regel ist die Spur eines Wolfs gradlinig, was zum Beispiel Experten in Italien ausnutzen um sie von der ansonsten weitestgehend gleichen Spur großer Herdenschutzhunde zu unterscheiden.
Die zurückgebildete fünfte Kralle der Vorderpfote nutzen diese Zehengänger, um sich an große Beutetiere zu krallen, bzw. diese niederzureißen. Beim Laufen wird sie nicht aufgesetzt oder abgenutzt und ist daher sehr scharf. Zwischen den Zehen findet man die Sohlenpolster von steifen Haaren umgeben, welche unter anderem zur Wärmedämmung dienen und dem Tier auch auf glattem Untergrund besseren Halt geben. Die Größe der Pfoten beträgt beim Wolf zwischen 8 bis 10,8 cm mal 10 bis 14 cm vorn, sowie 6 bis 10,5 cm mal 8 bis 13 cm hinten.

III.3 Anatomie

Wie bei anderen Wirbeltieren auch, dient das Skelett des Wolfs dem Zusammenhalt und Schutz der inneren Organe. Die Wirbelsäule besteht aus 7 Halswirbeln, 13 Brustwirbeln, 7 Lendenwirbeln, 3 zum Kreuzbein zusammengewachsenen Kreuzwirbeln und 20-23 Schwanzwirbeln. Alle Knochen sind zu ihr symmetrisch angeordnet. An den Brustwirbeln setzt je ein Paar Rippen an, wobei die ersten 9 mit dem Brustbein verwachsen sind, 3 Paare durch einen knorpligen Rippenbogen verbunden sind und das letzte Paar frei in der Muskelwand endet. Die Gliedmaßen sind vorn durch das Schulterblatt und hinten durch das Becken mit der Wirbelsäule verbunden. Der Schädel ist länglich, wobei der Gesichtsschädel länger ist, als der Teil, welcher das Gehirn umschließt. Am hinteren Teil setzt an der Hinterhauptsöffnung das Rückenmark an. Gegenüber den meisten Hunden ist das Gehirnvolumen eines Wolfes mit 140 bis 170 Kubikzentimetern rund 30 Kubikzentimeter größer. Charakteristisch ist der äußere Sagittalkamm, der sich von dem Zwischenscheitelbein verlängert und in dem äußeren Stirnkamm gabelt. Der Jochbogen ist, besonders bei älteren Individuen, weit zu den Seiten ausgewölbt. Die starken Unterkieferknochen wachsen im Verlauf der Individualentwicklung entweder sehr spät oder gar nicht zusammen. Ein weiteres für Beutegreifer typisches Merkmal ist der Penisknochen. Beim Wolf erreicht er eine Länge von 118 bis 160 mm. Das Scherengebiss des erwachsenen Wolfes hat 42 Zähne, darunter 12 Schneidezähne (Incisivi), 4 Eckzähne (Canini), 16 Vorbackenzähne (Prämolare) und 10 Backenzähne (Molare). Die entsprechende Zahnformel lautet:

3 1 4 2
3 1 4 3

oder mit Indizes:

3i 1c 4p 2m
3i 1c 4p 3m

Das Milchgebiss hingegen nur 28 Zähne, darunter 12 Schneidezähne, 4 Eckzähne und 12 Vorbackenzähne (Gleichmäßig verteilt). Die zum Packen und Töten der Beute dienenden Eckzähne sind ja nach Art etwa zwischen 2,5 und 5,7 cm lang und leicht nach hinten gebogen. Zum, zerkleinern von Beutestücken dienen, mit einem Kieferdruck von 150kg/cm2, der obere vierte Prämolar und der untere erste Molar. Die Nahrung wird nicht gekaut, sondern Fleischstücke werden abgerissen und im Ganzen verschlungen.

Mundhöhle, Speiseröhre, Einkammermagen, Dünn und Dickdarm bilden das Verdauungssystem. Wobei letztere, wie bei den meisten Fleischfressern, gegenüber anderen Gattungen beide deutlich verkürzt sind. Nährstoffreiche Fleischnahrung erfordert wiederum auch keine so komplizierte Verdauung. Seine lockeren Wangen, die breite Mundöffnung sowie die Vorderbackenspalte verwehren es dem Wolf Unterdruck in der Mundhöhle aufzubauen und erklären somit die Tatsache, dass er Flüssigkeit „schlabbernd“ (OKARMA) aufnimmt. Die Zunge ist rau und fleischig. Sie dient dem Ablecken kleinster Nahrungsreste von Knochen. Eine dehnbare Speiseröhre erleichtert das Schlucken großer Bissen und Knochen. Der Einkammer-Magen ist im Verhältnis zur Körpergröße mit bis zu 9 Liter Fassungsvermögen sehr groß. Seine Innenfläche ist gänzlich mit einer Schleimhaut beschichtet, die wiederum mit Drüsen ausgestattet ist. Der Dünndarm ist kurz, besitzt jedoch lange, dünne Darmzotten, welche die Absorbtionsfläche stark vergrößern. Der Dickdarm ist kaum breiter als der Dünndarm und glattwandig. Die Gesamte Darmlänge beträgt rund das fünffache der Körperlänge (maximal 7 m). Die rotbraune Leber setzt sich aus einer Reihe von Lappen mit tiefen Einschnitten zusammen. Die Nieren liegen beidseitig der Wirbelsäule in Höhe der letzten Rippe und haben Bohnenform. Die Harnblase, als besonderes Merkmal, ragt immer aus der Beckenhöhle in die Bauchhöhle. Der rechte Lungenflügel ist kleiner als der Linke, das Organ asymmetrisch. Das Herz hat Kugelform. Beide sind durch das Zwerchfell von der Bauchhöhle getrennt. Diese wird von dem für Fleischfresser üblichen „Netz“, einem abgeflachten, durchsichtigen Beutel, von den Seiten und dem Bauch her geschützt. Nur der Zwölf-Finger-Darm, Milz und Blase sind nicht bedeckt. Das streifenförmig angelagerte Fettgewebe des Bauchfells erleichtert die Darmperistaltik und besitzt thermoisolierende Eigenschaften. Es ist maschenähnlich von Blutgefäßen durchzogen und hat Vorratscharakter.

III.4 Sinne

Allein mit seinen Augen könnte ein Wolf einen direkt vor ihm liegenden Gegenstand nur schwer erkennen. Durch die Vielzahl an Stäbchen in seiner Netzhaut und das sogenannte Tapetum lucidum, ähnlich unserer Pigmentschicht, nur stärker in seiner Funktion, kann er aber selbst bei hoher Dunkelheit und großer Entfernung kleinste Bewegungen wahrnehmen. Die nach vorn gerichteten Augen ermöglichen ihm ein etwa 180 Grad großes Blickfeld. Am besten ausgeprägt und von weit größerer Bedeutung für das innerartliche Verhalten sind jedoch Gehör- und Geruchssinn. Die am After und etwa 7,5 cm vor der Schwanzwurzel liegende Duftdrüse, auch als Violdrüse bezeichnet, sondert einen für jeden Wolf individuellen Duft ab, ähnlich einem Fingeranruck beim Menschen. Um also kleinste Unterschiede zum Beispiel bei Duftmarkierungen auseinanderhalten zu können, ist das Riechorgan entsprechend leistungsfähig. Mit einer Oberfläche von 130 cm2 ist das Riechepithel des Wolfs um ein vielfaches großer als das des Menschen mit nur 5 cm2. Ähnlich verhält es sich mit den Riechzentren im Vorderhirn, dem Bulbus olfactoris des Wolfes. Die Tiere können Beutetier oder Artgenossen schon auf 2 km erkennen, bei günstigen Windverhältnissen wahrscheinlich sogar aus noch wesentlich größerer Entfernung. Durch die unabhängig voneinander bewegbaren Ohrmuscheln kann der Wolf den Ursprungsort eines Geräusches, zum Beispiel ein 6 km entferntes Heulen, sehr genau bestimmen. Die Fähigkeit, Schall auch in Frequenzen von über 21000 Hz (Obergrenze des menschlichen Gehörs) wahrzunehmen, ermöglicht es ihm außerdem, Nagetierlaute im Ultraschallbereich unter der Erde zu hören. Die langen Haare an den Schnauzen sind Tastorgane. Untersuchungen zur Intelligenz des Wolfes gestalten sich etwas schwieriger. Wölfe besitzen die Fähigkeit, sich an verändernde Bedingungen anzupassen. Auch besitzen sie eine räumliche Vorstellung ihrer Umgebung, die sie zum Beispiel bei der Jagd brauchen, um selbst kleinste Deckungen perfekt ausnutzen zu können. Sie lernen leicht und können sich lange Zeit an gelerntes zurückerinnern. Gegenüber Hunden lösen Wölfe Probleme, die kombinatorisches Denken erfordern, besser und zielstrebiger (OKARMA).

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