Kapitel IV - Ökologie des Wolfs
IV.1 Vorwort zu Kapitel 4
Der Wolf war einst, neben dem Bären, der größte Jäger unserer Breiten. Zusammen mit
dem Luchs übten sie einen großen Einfluss auf die Mortalität aller großen Huftiere in
Europa aus. Ohne die Präsenz dieser Jäger fällt dem Menschen diese Aufgabe zu. Er
übernimmt sie jedoch nur in den seltensten Fällen im erforderlichen Maße. Wen überrascht es
da, dass unser Wild immer mehr Schäden verursacht und seine Bestände anwachsen.
Dieses Kapitel wird näher auf die Rolle des Wolfs in der Natur eingehen.
Schwerpunkte sind auf Aktivität und Energiehaushalt, das Verhältniss zu anderne Raubtieren
und vorallem aber auf die Auswirkungen auf Beutepopulationen, die Selektion und Beutepreferenz
gelegt.
Wie gehabt zunächst die leicht angepasste Kopie des 2004er Kapitels.
In diesem ist die Betrachtung der Lebensräume noch sehr grob und für die Räuber-Beute-Beziehung
wurden nur wenige Studien herangezogen. Da aber dennoch viele wichtige Informationen
zur Lebensweise des Canis lupus enthalten sind stelle ich das Kapitel schon jetzt zur Verfügung.
IV.2 Lebensraum
Von der polaren Kältewüste Grönlands bis zu den Sandwüsten der Arabischen Halbinsel
kommt der Wolf in nahezu jedem Ökosystem vor.
Bei der Wahl eines Gebietes sind das Vorhandensein von Wasser und Beute ausschlaggebend.
Ein Platzt zum Anlegen einer Wurfhöhle ist nur von zweitrangiger Bedeutung. Während sich
historisch der europäische Wolf durch den Druck durch Menschen in die Wälder zurückgezogen hat, treten
sie auf anderen Kontinenten auch in Wüsten, Halbwüsten, Steppen, Waldsteppen, Prärie,
Taiga, Waldtundra, Tundra und hochgelegen Gebieten bis 5500 m auf. ([2])
Für die Wurfhöhlen wählen sie gut geschützte, schwer zugängliche Plätze, die stets in der
Nähe einer Wasserquelle liegen. Diese kann ein Bach, Fluss, See, Moor oder eine tiefe nicht
austrocknende Pfütze sein. Wird der Bau nicht durch Menschen gestört, nutzen Wölfe ihn oft
noch über mehrere Jahre.
In Europa ist in den letzten Jahren eine Entwicklung zu verzeichnen, die als Gewöhnung an
den Menschen gedeutet werden kann. Polnische Wölfe wurden verstärkt auch in der Nähe großer
Städte, wie Gdańsk und Toruń sowie in Wäldern mit relativ hoher menschlicher Präsens
gesichtet ([4]). Unter dem Besiedlungsdruck des Menschen haben sich Italienischen Wölfe (Canis
lupus italicus) sogar schon soweit in ihren Gewohnheiten und Umweltpräferenzen angepasst,
dass sie zur Nahrungssuche regelmäßig auf Müllhalden ausweichen. Die natürliche Scheu ist
jedoch weiterhin groß und von Menschen tagsüber stark frequentierte Orte werden selbst
nachts nur mit äußerster Vorsicht betreten ([3]).
Reviergröße
In Zusammenhang mit den Lebensräumen ist es von Interesse die Reviergröße anzusprechen.
Für Polen sind das 200-300km2 mit durschnittlich 3-5 Tieren je Rudel im Flachland.
In den Gebirgen im Süden des Landes sind es nur 100km2.
Die Zahl der Wölfe hängt dabei stark von der Beutedichte ab und liegt im Beutereichen Białowieza
bei rund 2-3 Tieren je 100km2. In den Beskiden ist sie mit 4.2 Tieren auf 100km2
am höchsten.
Wölfsrudel beanspruchen nach MECH ([3])
ein Revier oder Territorium, dass je nach Terrain und Verteilung der Beute von einem
Dutzend bis zu 13000 km2 umfassen kann (MECH). Einzelne Reviere
können einander überschneiden. Bei Rudeln, die migrierenden Beutepopulationen
folgen, sind sie oft nicht genau bestimmbar.
Die verhältnismäßig großen Reviere in Nordamerika sind unter anderem dadurch zu erklären.
IV.3 Aktivität
IV.3.1 Energiehaushalt
OKARMA führt eine Untersuchung zum Grundumsatz an, die Aufschluss über die
BioenergieUmwandlung beim Wolf geben soll. Ihr zufolge bleibt ein Wolf mit rund 7,28 bis
8,78 Liter Sauerstoff je Stunde etwa 15% unter dem mittleren zu erwartenden Grundumsatz
eines Beutegreifers. In Extremsituationen, wie einem schnellen Sprint, kann der Umsatz aber
auch auf mehr als das 33fache dieses Wertes steigen. Damit ist die Spanne zwischen
Grundumsatz und maximaler Stoffwechselleistung mindestens dreimal so groß wie der
Durchschnitt anderer Säugetiere. Der Wolf ist somit sowohl an kurzandauernde, intensive
Anstrengungen, wie das Verfolgen von Beute, als auch an lange Perioden der
Nahrungsknappheit sehr gut angepasst.
In Gefangenschaft liegt der Tagesbedarf eines ausgewachsenen Tieres bei rund 0,03 kg
Nahrung je kg Körpermase. In freier Wildbahn wird das drei bis vierfache dieses Wertes
angenommen, was unter anderem auf den erhöhten Energiebedarf, die durch einen Teil des
Kalorienüberschuss vermehrte Anlage von Fettreserven und eine unvollständige Verdauung
großer Nahrungsmengen (bis zu 9 kg) zurückgeführt wird. Bei Jungtieren ist er noch einmal
rund doppelt so hoch. Praktisch konnten wir die die schlechte Nahrungsverwertung an
Kotproben sehen. In der Regel wurde schon kurze Zeit nach der Nahrungsaufnahme ein relativ
dünner Kot abgegeben, der noch viel Fell, Knochen und andere feste Bestandteile enthält.
Erst mit der Zeit wurden die Proben fester, was auf eine bessere Verdauung hindeutet.
Energieverluste durch die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur sind minimal. Das Fell der
Wölfe besitzt ideale Isoliereigenschaften und die thermoneutrale Zone des Wolfs scheint
besonders umfassend. Selbst bei Temperaturunterschieden von 50°C zwischen Sommer und Winter
sowie Temperaturen von 30°C verlieren die Tiere außer über die Atemluft nur sehr wenig
Energie an ihre Umgebung.
IV.3.2 Aktivität
Entsprechend der isolierenden Eigenschaften ihres Fells und der bei Anstrengungen
daraus resultierenden Hitzeanstauung im Sommer dösen die Tiere zu dieser Jahreszeit
tagsüber meist im Schatten. Sie werden dann erst gegen Abend aktiv und jagen in der Nacht.
Jahresrhythmisch befinden sie sich in der sesshaften Phase die kurz vor der Geburt der
Jungen beginnt und bis in den Spätherbst anhält. Jagdausflüge reichen in diesen Monaten nie
weiter als 4 bis 13 km. Die Jungen werden währenddessen, nachdem sie mit 6 Wochen die Höhle
endgültig verlassen haben an sogenannten Rendezvousplätzen von anderen, meist jüngeren
Rudelmitgliedern behütet. Die Lage dieser Plätze wechselt mit der Zeit und die Dauer des
Aufenthaltes an einem sinkt. Die Entfernung zwischen ihnen steigt von anfangs 1,5 auf rund
3 km. Wölfe ruhen in der Regel nach erfolgloser Jagd für ein paar Minuten, nach Zurücklegen
eines längeren Streckenabschnittes für einige Stunden. Am längsten aber nach dem Fressen.
Im Spätherbst, nachdem die Jungtiere schon an der Jagd teilnehmen, beginnt das Rudel zu
wandern und kann dann an einem Tag 50 bis 70 km zurücklegen, wobei anfangs noch öfter
Pausen eingelegt werden. PULLIAINEN berichtet 1965 sogar von einem Wolf, der in 24 Stunden
eine Strecke von ungefähr 200 km zurückgelegt hat. GROSZCYŃSKI hat 1986 einen mittlere
Tageslänge von 25,7 km bestimmt. Auf ihren Wanderungen verwenden Wölfe oft ausgetretene
Wege anderen Tiere, zugefrorene Seen, Flüsse oder Bahngleise. Es scheint, dass Wölfe
entlang sicherer Haupttrassen wandern und deren Kenntnis von Generation zu Generation
weitergeben.
IV.4 Räuber-Beute-Verhältnis
IV.4.1 Selektion
Wenn es um seine Nahrung geht ist der Wolf nicht wählerisch. Er ist Opportunist und
frisst je nach geographischer Lage von den großen Paarhufern, wie Elch und Rentier, bis zu
Vögeln, Insekten, Aas und Obst so ziemlich alles. Auf kleinere Beute wird meist nur in den
warmen Monaten zurückgegriffen, wobei ihr Anteil an der Diät, mit Ausnahme des Bibers, in
der Regel eine gewisse Grenze nicht überschreitet, wenn genügend große Beutetiere vorhanden
sind. In einigen nördlichen Gebieten haben sich Wölfe auf Schneehasen (Lepus timidus)
spezialisiert und wie bereits erwähnt sucht der Lupus italicus sein Futter vorwiegend auf
Müllhalden, um nur zwei Sonderformen wölfischer Ernährung zu nennen. Hauptsächlich werden
in Mitteleuropa Rothirsche gerissen, gefolgt von Rehen und anderen großen Paarhufern, wie Elch
und Ren, bei denen jedoch eher Jungtiere Opfer des Wolfes werden. Ein weiteres wichtiges
Beutetier ist das Wildschwein. Risse adulter Tiere sind aufgrund ihrer Wehrhaftigkeit jedoch eher
selten. Fälle, dass Wisente Beute des Wolfes wurden sind ebenfalls selten. Untersuchungen aus dem
BiałowiezaUrwald, die weltweite Bestätiung fanden, belegen, dass Wölfe bei der Wahl ihrer
Beute große Huftiere bevorzugen und unter diesen besonders den Rothirsch
(40-55% aller Beutetiere, bzw. 70-80% der komsumierten Biomasse). Der Anteil
anderer Tiere an der Diät des Wolfes hängt stark mit deren jeweiliger Verbreitung, Größe
und Wehrhaftigkeit zusammen. ([4])
Die Nahrungsaufnahme erfolgt, soweit die Tiere nicht gestört werden, stets gleich. Nach dem
Töten der Beute wird diese Schnell gefressen, wobei ein Wolf 9 kg oder mehr mit einem mal
verschlingen kann. Zunächst wird der hintere Teil der Beute und die Bauchhöhle verzehrt. So
an die Innereien gelangt, werden diese bis auf den Mageninhalt restlos gefressen.
Bei großen Tieren bleiben oft nur stärkere Knochen, wie Schädel, Wirbelsäule und die
Gliedmaßen, sowie Pansen und Decke zurück. Nach dem vollständigen Stillen des Hungers ist
in freier Wildbahn und auch in Gefangenschaft zu beobachten, dass Wölfe direkt am
Fressplatzt oder in seiner näheren Umgebung meist erst für längere Zeit schlafen, bevor sie
weiterziehen.
Die Mechanismen der Selektion durch Wölfe sind noch nicht vollständig erforscht und
allgemeine Aussagen schwer zu treffen. Oft treffen Ergebnisse, die in einem Gebiet gemacht
wurden auf eine andere Population der selben Art oder die selbe Population zu einer anderen
Zeit schon nicht mehr zu. Der Selektion liegen verschiedene Faktoren zu Grunde. Zum einen die
Kondition und Wehrhaftigkeit der Beute, zum anderen ihr Alter und Geschlecht. Aber auch
Erfahrung und Kondition des Jägers, wie auch seine Situation (also ob einzelner Wolf oder
Rudel) spielen eine Rolle.
Zum Einfluss des Geschlechts stellten OKARMA und BOBEK für polnische Hirsche fest, dass der
Anteil der Weibchen rund doppelt so hoch war, wie der der Männchen und dass er gegen Ende
des Winters zunimmt. Da Hirsche in der Regel zwei Gruppen bilden und die Weibchen mit
Kälbern die leichtere Beute sind, wird dies als mögliche Ursache angeführt. Untersuchungen an
Rehen lieferten ähnliche Erkenntnisse. Die meisten Männchen werden im Oktober und November
kurze Zeit nach der Brunst gerissen, wo sie am schwächsten sind. Als gesichert gilt, dass
Junge und ältere Tiere besonders häufig gerissen werden, was auf der testhetzenden
Jagdweise der Räuber beruht. Die Beseitigung Schwacher, Alter, Junger und Kranker
Individuen bezeichnet man als „Sanitäreffekt der Beutejagd“. In 90 Proben von Wölfen
getöteter Hirsche fanden sich im frühen Winter 32% Kälber und im späten Winter sogar 51%.
Diese bildeten jedoch nur 15% der Gesamtpopulation. Analysen der Kotproben aus dem
BiałowiezaUrwald ergaben für die Winter 1984/1985 bis 1990/1991, dass Kälber 60% der Diät
ausmachen. Der Anteil an den Funden von Beuteresten betrug im selben Zeitraum 39%.
Ähnliche Angaben liegen aus dem russischen Teil des Nationalparks vor. Auch bei
Wildschweinen liegt der Anteil der Frischlinge deutlich über dem ausgewachsener Individuen.
Unter 221 von MURIE untersuchten Dallschafen waren 86% unter 2 oder über 8 Jahre alt. Von
MECH untersuchte Risse unter den Elchen auf Isle Royal ergaben sogar 94% alte bzw. junge Tiere.
Gegenüber der Gesamtpopulation machten die Jungen weniger als 25% aus.
Wahrscheinlich ist der Anteil der Kälber sogar noch höher als bisher angenommen, da diese oft
vollständig aufgefressen werden. Zur Kondition liegen bisher kaum Studien vor.
MURIE stellte weiter fest, dass von Wölfen getötete Dallschafen zu 26% an einer Pilzinfektion
des Unterkiefers litten, wodurch die Nahrungsaufnahme sowie Dauer und Intensität des Widerkäuens
beeinträchtigt waren. Der Anteil bei den 28 jährigen lag interessanterweise bei 68%. Bei 15% der von MECH
untersuchten Elche waren die Fettreserven des Knochenmarks fast vollständig verbraucht.
Vier Funde, an denen noch weitere Untersuchungen möglich waren, enthielten zahlreiche
Zysten des Blasenwurms, die nicht selten mehr als 2,5 cm im Durchmesser maßen. 21% der
Elche litten an der selben Erkrankung wie Muries Dallschafe. Okarma untersuchte die
physische Kondition von Hirschen in den Ostbeskiden ebenfalls anhand des Fettgehalts im
Knochenmark. Obwohl dieses Verfahren sehr beliebt ist und oft nicht mehr von der Beute als
die großen Knochen zurückbleibt, sind die zusammenhänge beim Abbau der Fettreserven noch
nicht weit genug erforscht um mit Sicherheit auf die Verfassung der Tiere schließen zu
können. Bisher steht fest, dass gegen Ende der Wintersaison der Fettanteil im Knochenmark
sinkt. Da dies jedoch nicht nur für die gerissenen sondern alle Tieren der Population gilt,
ist auch hier keine eindeutige Aussage zur Verfassung zu finden.
Allgemein kann gesagt werden, dass Wölfe die für sie leicht erreichbaren Tiere reißen. Sie
können vor der Hatz ihre Chancen abschätzen und brechen die Jagd schnell ab, wenn der
gewünschte Erfolg ausbleibt. Ihre testhetzende Jagdweise ermöglicht es ihnen besonders die
schwachen Tiere zu selektieren. In ihrem Verhalten und der Beutepräferenz können sich Wölfe
innerhalb kürzester Zeiträume sehr schnell an wechselnde Umweltbedingungen anpassen.
IV.4.2 Auswirkungen auf die Beutepopulation
Das wohl umstrittenste und komplizierteste Thema der Ökologie ist die natürliche
Regulation von Populationen. Zwischen Beutegreifer und Beute besteht ein kompliziertes
System von In den USA fanden über die letzten 100 Jahre zahlreiche Untersuchungen statt.
Hervorzuheben sind die Studien MECHS, vor allem an den Elchen von Isle Royal. Vor der
Ankunft des Wolfs 1949 lebten auf der Insel außer dem Elch keine weiteren großen
Pflanzenfresser. Seine Population war aufgrund von periodischer Überweidung, Nahrungsnot
und darauf folgende Regeneration großen Schwankungen unterworfen. Mit Ankunft der Wölfe
stabilisierte sich diese zunächst auf etwa 600 zu 23 Tieren, was einem Wolf auf rund 10000 kg
Elche entspricht. Von den Jährlich rund 225 Kälbern rissen die Wölfe vorraussichtlich 140.
Von den adulten Tieren 83. Demnach schienen sie den Bestand zu limitieren. Aus dem Aloquin
Nationalpark lagen Berichte vor, dass die dortige Hirschpopulation (rund 100 bis 150
Hirsche je Wolf, also etwa 7000 bis 10000 kg) ebenfalls von Wölfen limitiert wurde. Da der
Jasper Nationalpark meldete, seine Wölfe üben bei 40000 bis 50000 kg je Individuum nur
einen geringen Einfluss aus, formulierte MECH die These, dass Wölfe bei einem Verhältnis
von einem Wolf zu 10000 kg Beutemasse, unter natürlichen Bedingungen, einen limitierenden
Einfluss auf die Beutepopulation ausüben. Verändert sich dieses Verhältnis zu Gunsten der
Beute, so sinkt dementsprechend der Einfluss des Wolfes.
Genauere Betrachtung finden in diesem Zusammenhang oft die Ergebnisse, die auf der Isle
Royal gemacht wurden. Nach der Besiedlung der Insel durch Wölfe steigt der Elchbestand
langsam auf rund 1000 Tiere an. Die 25 Wölfe scheinen jedoch ein weiteres Wachstum der
Beutepopulation bis in die späten sechziger Jahre zu verhindern. Vermutlich soziale
Spannung, ausgelöst durch ein zweites, neu etabliertes Rudel sorgen dafür, dass im Winter
ganze Gruppen von jungen Wölfen über das Eis abwandern und die Zahl der Wölfe abnimmt. Zu
beginn der siebziger Jahre folgen weitere kalte Winter mit hohen Schneelagen. Den aufgrund
der Überweidung und daraus resultierender Naherungsknappheit ohnehin schon geschwächten
Elchen gelingt es immer seltener sich im tiefen Schnee vor Wolfsangriffen zu schützen und
das Verhältnis zwischen den beiden Populationen ändert sich dramatisch. Im Sommer kam den
Wölfen die hohe Biberpopulation zugute und so konnten sie sich in kurzer Zeit stark
vermehren. 1980 waren es schon 50 Tiere auf 650 Elche. Die sich regenerierende Natur und
milde Winter in den folgenden Jahren lassen die Elche wieder erstarken. Gleichzeitig nimmt
die Zahl der Wölfe aufgrund ausbleibender Beute, sozialer Spannungen und immer häufiger
auftretender Auseinandersetzungen zwischen den Rudeln ab. 1982 leben nur noch 19 Wölfe auf
der Insel. 1983 hatte sich das scheinbar stabile Verhältnis von 23 Wölfen zu 900 Elchen
eingepegelt. Diesmal vermehrten sich die Elche ungebremst auf rund 2000 Tiere im Winter
1988, während die Zahl der Wölfe auf 11 Tiere sank und es 1989, trotz ausreichend leicht
erreichbarer Beute und einer Vielzahl an Kadavern keinen Nachwuchs mehr gab. Als Ursache
hierfür wurden zunächst Krankheiten, wie die Staupe angenommen. Nachdem PETERSON 1989 von
der Nationalparkverwaltung die Erlaubnis erhielt Tieren Blut abzunehmen, musste er bei der
Analyse bestimmter DNSMoleküle im Blut feststellen, dass sie bei allen vier gefangenen
Tiere übereinstimmen. Alle Tiere der Insel scheinen auf ein reproduzierendes Weibchen
zurückzugehen, dass 1949 eingewandert war. Dadurch sind vorraussichtlich 50 Prozent der
genetischen Variabilität verloren gegangen.
IV.5 Verhältnis zu anderen Räubern
Füchse, Marder, Vielfraße, Marderhunde, Waschbären und selbst schwache oder kleine
Bären stehen mit auf dem Speiseplan des Wolfes. Sie werden jedoch nicht direkt bejagt.
Fälle, dass ein Luchs gerissen wurde sind selten, meist können die Tiere auf Bäume fliehen.
Die Wechselbeziehungen zwischen beiden Arten sind kaum bisher erforscht. Der Wolf steht an
der Spitze der Nahrungskette und braucht keine natürlichen Feinde zu fürchten. Anderen
großen Räubern, wie zum Beispiel Bären geht er in der Regel aus dem Weg. Bei der
Verteidigung der Wurfhöhle oder der Beute kann es vorkommen, dass ein Wolf stirbt ([2]).
Füchse und Marder folgen teilweise Wolfsspuren und ernähren sich von Beuteresten. Einige
Quellen berichten zwar von einer gewissen Toleranz gegenüber Füchsen, es ist aber nicht
auszuschließen, dass Wölfe Füchse töten. Die höchste Wahrscheinlichkeit besteht hierzu,
wenn der Fuchs an der Beute überrascht wird (MECH). Unsere heimischen Raubtiere haben sich
an die Jagd von Marderhunden angepasst und suchen häufig seine Baue auf. Gegenüber den
Großkatzen, wie Tiger, Leopard sowie Schneeleopard, verhält sich der Wolf zurückhaltend.
Genauere Untersuchungen liegen kaum vor. Die Beziehung zwischen Wolf und Dachs sind
komplexer. In einem Gebiet können beide Arten über lange Zeit friedlich auf engstem Raum
koexistieren. Allerdings nutzen Wölfe gern Dachsbaue als Wurfhöhlen und töten dann die
ganze Population. In einigen Regionen haben sich Wölfe auf die Jagd von Hunden
spezialisiert. In anderen töten sie Streuner. Andersherum,
fehlt es an Weibchen paaren sich Wölfe teilweise mit Hunden oder in den USA mit Kojoten die
sie aufgrund ihrer Größe leicht dominieren können. Die Hybridisierung stellt ein
Hauptproblem des Wolfmanagements dar. WolfsHundHybriden sind entschieden weniger Scheu
gegenüber Menschen. Sie neigen dazu im Sommer Gruppen von mehr als einem dutzend Tieren zu
bilden und wenden Jagdtechniken des Wolfs an, wobei sie Beute auch über relativ Große
Entfernungen von bis zu 4 km hetzen.
Konfrontationen zwischen zwei Rudeln oder zwischen Rudeln und ziehenden Wölfen kommt es sehr oft zu Kämpfen die nicht selten auch
Opfer fordern. Schon der Verlust eines Tieres kann erheblichen Einfluss auf den Jagderfolg
der Population haben. Daher markieren, in der Regel die ranghohen Tiere, das Territorium,
zum Beispiel durch Kotentleerung oder Duftmarken, die anders als beim üblichen Urinieren
mit gehobenen Bein abgegeben werden. Zum Rand des Reviers hin nimmt die Dichte der
Markierungen zu. Fremde Individuen können anhand dieser Marken und ihrer Frische abschätzen
ob das Rudel im jeweiligen Gebiet ist. Dadurch werden die Territorialgrenzen flexibler und
Pufferzonen entstehen, die von ziehenden Wölfen genutzt werden können. Eine weitere Methode
der Terrtorialkennzeichnung ist das Heulen. Benachbarte Rudel antworten. Die Häufigkeit des
Heulens unterliegt Jahreszeitlichen Schwankungen und ist gegen Ende des Winters
(Paarungszeit) und Mitte August (Antworten der Jungen und des Rudels von Rast- und
Sammelplätzen ). Weiter antworten Wölfe häufig an frischen Rissen (OKARMA).
Das Risiko einer zufälligen Konfrontation ist somit relativ gering.
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