InhaltKapitel VI - Wolfsmanagement

VI.1 Vorwort zu Kapitel 6

Auf der folgenden Seite findet sich lediglich eine kurze Betrachtung von Ideen des mitteleuropäischen Managements aus dem Jahr 2005.
Dieses Kapitel ist der Information halber online aber bei weitem noch nicht vollständig.

VI.2 Wolfsmanagement in Mitteleuropa

In den letzten Jahren führten JĘDRZEJEWSKI, JĘDRZEJEWSKA, NOWAK und NIEDZIAŁKOWSKA Untersuchungen zur Situation der Wölfe in Nordpolen durch, auf deren Ergebnisse wir uns hier aufgrund der Parallelen zum Osten Deutschlands und der geographischen Nähe beziehen wollen. Ergebnisse der südpolnischen Untersuchungen gehen nur in Bezug auf die Räuber-Beute-Beziehung ein. Im Norden des Landes wurden 134 Sektoren zu einem Radius von 14 km gewählt und verglichen. In 72 Sektoren wurde die Präsenz von Wölfen nachgewiesen. Es ergab sich eine durchschnittliche Rudelgröße von rund 4 Tieren (bei maximal neun Tieren je Rudel). In besiedelten Sektoren meiden Wölfe hauptsächlich stark frequentierte größere Staßen sowie Eisenbahnstrecken. Weniger frequentierte und regionale Straßen scheinen kaum Einfluss auf ihr Zugverhalten auszuüben. Ein typisches und das zweitwichtigste Merkmal der Wolfsterritorien ist eine hoher Waldanteil (50,5% bei Werten zwischen minimal 11% und maximal etwa 80%) mit zusammenhängenden Waldstücken (Durchschnittlich 17,7 unzusammenhängende Wälder je Sektor gegenüber 20,2 in nicht von Wölfen besiedelten Gebieten). Weiter bevorzugen Wölfe eine geringe Siedlungsdichte und Gebiete mit ausreichend Seen (3,4 km2 je Sektor). Beim Ost-West-Vergleich ergab sich, dass Rudel in Nordwestpolen in der Regel nur halb so groß waren, selbst wenn der Anteil der Wälder dort größer war (34% gegenüber 29% im Osten). In beiden Teilen des Landes meiden Wölfe die Hauptverkehrswege und bevorzugen bewaldete Gebiete. Es wird jedoch auch von Fällen berichtet, in denen den Tieren nur ein sehr kleines Rückzugsgebiet bleibt und sie auf offenen Flächen jagen. Der einzige signifikante Unterschied zwischen den Landesteilen, besteht in der Dichte des Eisenbahnetzes, die, wie sich herausstellte, im Westen doppelt so hoch ist. Man untersuchte darauf hin das Verhalten der Wölfe gegenüber Zügen und Strecken. Nur für den Westen konnte nachgewiesen werden, dass sie von den dort lebenden Wölfen gemieden werden. Als letzter und wahrscheinlich wesentlichster Faktor für ein Revier wird seine Nähe zur ostpolnischen Grenze, beziehungsweise der dort lebenden Population angeführt (bis zu 640 km). Diese Entfernung liefert Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit einer Wolspräsenz.
Durch Nordpolen verlaufen die wichtigsten Migrationskorridore. Sie und die noch zahlreichen Bestände im Osten des Landes sind von grösster Bedeutung für die Verbreitung des Wolfs in Mitteleuropa. Behindert wird diese zum Beispiel durch die Anlage neuer Autobahnen, dem Ausbau des Eisenbahnnetzes, der Rodung von Wäldern und den Siedlungsdruck durch den Menschen. Wölfe tendieren dazu von Menschen geschaffenen Komplexe zu meiden. Um eine Migration in Ost-West-Richtung zu sichern müssen bestehende Waldkorridore unter Schutz gestellt werden und besonders in Zentralpolen neue Korridore geschaffen werden. Dies würde in Verbindung mit der Aufklärung von Landwirten über mögliche Schutzmaßnahmen unter anderem auch die Zahl der Risse senken.
Eine Gefährdung von Vieh entsteht nämlich genau dann, wenn den Wölfen ungenügend bewaldetes Gebiet, nur stark fragmentierte Wälder oder zuwenig leicht erreichbare Beute in Form von großen Huftieren zur Verfügung steht. Ein weiterer Faktor ist, wie gesagt, fehlender oder mangelhafter Schutz sowie eine hohe Zahl weidenden Viehs. In einer Studie von 1999 führt OKARMA an, dass Wölfe dazu übergehen Haustiere zu reißen, wenn es ihnen an ihrer eigentlichen Beute fehlt. Als eine Ursachen hierfür führt er die mangelnde Anpassung bei den jährlichen Abschüssen an die Bedürfnisse der großen Beutegreifer an.

Vorkommen an Beutegreifern Jährlicher Zuwachs in Prozent des Frühjahrsbestandes
Rotwild Rehwild
Fehlen von Beutegreifern Max. 30% Max. 30%
Wolfsvorkommen 20% 25%
Vorkommen von Wolf und Luchs 15% 15%

Besonders im Süden des Landes werden gegenwärtig Schutzverfahren gegen Wolfsübergriffe getestet. Die wichtigsten sind, Lappen- und Elektrozäune, denen Wölfe in der Regel ausweichen, Herdenschutzhunde, Hüten der Schafe und Abschreckungsmaßnahmen wie Gummigeschosse. In der Schweiz werden zusätzlich Esel auf eine Tauglichkeit als Herdenschutztiere untersucht. Von der Anwendung nur einer Maßnahme ist jedoch abzuraten. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und können zum Beispiel ihre Jagdtechniken weitestgehend an Herdenschutzhunde anpassen, gewöhnen sich an Zäune und suchen Schwachstellen oder vergessen eine einmalige schlechte Erfahrung mit Gummigeschossen wieder. Besondere Leistungen auf dem Gebiet der Aufklärung hat der Naturschutzverband „WOLF“ (AfN Wolf) geleistet die sich unter anderem auch für den Schutz großer Räuber einsetzt und die Beobachtung der Wolfspopulation in den südpolnischen Karpaten übernommen hat. Wir konnten im März 2004 an einem ihrer Seminare teilnehmen und verdanken seiner Präsidentin, Frau Dr. Sabina Nowak, viele zusätzliche Informationen zu Wölfen und ihrem Schutz in Polen.

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